Praxisfall · Temperaturmessung

Der Magnet hielt. Die Messung nicht.

21 °C Abweichung an einem induktiv beheizten Extruder und warum ein stärkerer Magnet nicht die Lösung war.

Infothek14. August 2026Temperaturfühler · ExtrusionPraxisentwicklung
KI-bearbeitete Darstellung auf Basis eines eigenen Magnetfühler-Fotos: induktiv beheizter Extruder mit 21 Grad Celsius Messabweichung
Der erste Aufbau hielt sicher am Extruder, zeigte im Vergleich zur Referenzmessung jedoch rund 21 °C zu wenig an.
21 °C
Abweichung des ersten Magnetfühlers
0 °C Delta
Neuer Aufbau gegen denselben Referenzfühler
Ohne Bohrung
Nachrüstbare Messstelle am Bimetallzylinder
Frei positionierbar
Vergleichsmessungen entlang des Extruders
Mechanischer Halt ist noch keine belastbare Messstelle.

Bei der Oberflächenmessung bestimmen Kontaktfläche, Anpressdruck, thermische Masse, Werkstoffe und die Lage des Messelements gemeinsam, welcher Temperaturwert am Anschluss ankommt.

21 °CAbweichung im ersten Versuch

Die Aufgabe

Ein Kunde wollte zusätzliche Messstellen entlang des Zylinders seines Extruders, um die tatsächliche Temperaturverteilung beurteilen zu können. Bei einem konventionell beheizten Extruder ist das meist unkompliziert: Bohrung setzen, Fühler einbauen, fertig.

Hier war das nicht möglich. Der Zylinder bestand aus einem Bimetallaufbau und durfte nachträglich nicht angebohrt werden. Gesucht war deshalb ein Fühler, der außen dauerhaft am Zylinder hält und dessen Oberflächentemperatur zuverlässig erfasst.

Der erste Versuch hielt. Er stimmte nur nicht.

Wir begannen mit einem handelsüblichen Oberflächenfühler, der durch einen starken Magneten am Zylinder befestigt wurde. Mechanisch überzeugte die Lösung sofort: Der Fühler saß sicher, die Montage dauerte nur wenige Sekunden und der Zylinder blieb unverändert.

Dann folgte die Kontrollmessung. Direkt neben dem fest montierten Magnetfühler setzten wir einen mobilen Oberflächenfühler auf dieselbe Stelle. Der Magnetfühler zeigte rund 21 °C weniger an.

Ein Fühler, der zuverlässig sitzt und zuverlässig die falsche Temperatur meldet, hilft bei der Prozessbeurteilung nicht.

Woher kam die Abweichung?

Bei einem induktiv beheizten Extruder entsteht die Wärme nicht durch außen anliegende Heizbänder. Ein elektromagnetisches Wechselfeld erzeugt Wirbelströme und damit Wärme direkt im Metall des Zylinders. Zusätzliche magnetische und metallische Bauteile sind in diesem Umfeld nicht neutral.

Entscheidend ist außerdem der gesamte Wärmeweg von der Zylinderoberfläche bis zum Messelement. Das Thermoelement allein bestimmt das Messergebnis nicht.

Kontaktfläche und Anpressdruck

Wie vollständig und mit welchem Druck liegt der Fühler tatsächlich an?

Lage des Messelements

Erfasst das Messelement die Oberfläche oder vor allem die Temperatur des Gehäuses?

Thermische Masse

Zusätzliche Masse speichert und verteilt Wärme und kann die Messstelle beeinflussen.

Wärmeableitung

Gehäuse und Anschlussleitung können Wärme von der eigentlichen Messstelle abführen.

Werkstoffe der Befestigung

Magnetische, metallische und wärmeleitende Werkstoffe reagieren unterschiedlich auf das Feld und den Wärmestrom.

Es wäre fachlich zu einfach, die 21 °C allein dem Magneten zuzuschreiben. Die Abweichung entstand aus dem Zusammenspiel von Magnetbefestigung, induktivem Feld, thermischer Ankopplung und konstruktivem Aufbau des Fühlers.

Warum ein stärkerer Magnet nichts gebracht hätte

Die Aufgabe bestand nicht darin, den Fühler besser festzuhalten. Er hielt bereits. Er musste magnetisch befestigt bleiben und zugleich die tatsächliche Oberflächentemperatur unter den Bedingungen des induktiven Feldes erfassen.

Deshalb wurde die gesamte Messstelle neu konstruiert: magnetische Befestigung, Kontakt zur Oberfläche, Wärmeübertragung und Position des Messelements. Jede Größe wurde auf die Anwendung abgestimmt.

Aufbau angepasstBefestigung und Werkstoffe auf den induktiv beheizten Zylinder abgestimmt.
Wärmeweg optimiertKontakt und Position des Messelements für die Oberflächenmessung ausgelegt.
Gegen Referenz geprüftNeuer Aufbau und mobiler Referenzfühler zeigten identische Werte.

Das Ergebnis: Die Abweichung von 21 °C war verschwunden.

Was der Kunde damit gewonnen hat

Der neue Fühleraufbau erfasst die Oberflächentemperatur am Extruder, ohne den Bimetallzylinder anzubohren oder anderweitig zu verändern. Er lässt sich an den benötigten Positionen anbringen und bleibt dort magnetisch fixiert.

Zusätzliche Messstellen

Bestehende Anlagen erhalten weitere Messpunkte ohne mechanischen Eingriff.

Vergleich entlang des Zylinders

Temperaturzonen lassen sich direkt miteinander vergleichen und auffällige Bereiche erkennen.

Regelung überprüfen

Die vorhandene Temperaturregelung kann durch unabhängige Oberflächenmessungen beurteilt werden.

Dauermessung nachrüsten

Die Messstelle bleibt ohne Fühlerbohrung dauerhaft am gewünschten Ort.

Was dieser Fall zeigt

Ein Standardfühler ist nicht automatisch für jede Messaufgabe geeignet, auch wenn er mechanisch einwandfrei sitzt. Fühlertyp, Befestigung und Einbausituation müssen gemeinsam betrachtet werden. Das gilt besonders bei induktiver Beheizung, eingeschränkten Montagemöglichkeiten und Prozessen, bei denen wenige Grad entscheidend sind.

Aus einem Magnetfühler, der zunächst nur mechanisch funktionierte, entstand so eine Messlösung, die zur Anwendung passt.

Sie brauchen zusätzliche Messstellen, können aber nicht bohren? Senden Sie Angaben zu Zylinder und Werkstoffaufbau, Temperaturbereich, Beheizungsart und gewünschter Messposition. Wir prüfen den geeigneten Fühleraufbau.

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